Johannisbeeren pflanzen: Standort, Schnitt und Ernte

Johannisbeeren pflanzen und pflegen: Sorten & Tipps

Johannisbeeren pflanzen lohnt sich auch in kleinen Gärten: Die Sträucher sind winterhart, selbstfruchtbar und tragen bei guter Pflege viele Jahre. Ob die Ernte reich ausfällt, hängt vor allem an drei Punkten: einem sonnigen bis halbschattigen Platz mit gleichmäßig feuchtem Boden, einer etwas tieferen Pflanzung und einem Schnitt, der zur Art passt. Denn rote und weiße Johannisbeeren tragen an anderem Holz als schwarze. Weitere Obst- und Gemüsearten stellt der Überblick Gemüse, Obst und Kräuter vor.

Rote, weiße und schwarze Johannisbeeren im Vergleich

Johannisbeeren (Gattung Ribes) gehören wie die Stachelbeere zu den Stachelbeergewächsen. Ihre Wildformen sind in Europa und Teilen Asiens heimisch und wachsen dort bevorzugt in Auwäldern und an feuchten Waldrändern. Daher stammen ihre Vorlieben im Garten: humusreicher, gleichmäßig feuchter Boden und Sonne bis lichter Schatten. Den Namen tragen die Beeren, weil die ersten Sorten um den Johannistag am 24. Juni reif werden.

Weiße Johannisbeeren sind eine hellfrüchtige Form der Roten Johannisbeere (Ribes rubrum) und werden genauso gepflegt. Die Schwarze Johannisbeere (Ribes nigrum) ist eine eigene Art: Ihr Laub duftet beim Zerreiben würzig, und sie trägt an anderem Holz. Diese Übersicht ist die Grundlage für Schnitt und Ernte:

Merkmal Rote und Weiße Johannisbeere Schwarze Johannisbeere
Fruchtholz vor allem zwei- und dreijährige Triebe vor allem einjährige Langtriebe aus dem Vorjahr
Schnitt jährlich die ältesten Triebe bodennah entfernen, junge Bodentriebe als Ersatz stehen lassen kräftiger auslichten: abgetragene Triebe ganz entfernen oder auf einen jungen Seitentrieb ableiten, junge Langtriebe nicht einkürzen
Ernte ganze Rispen pflücken, sobald alle Beeren ausgefärbt sind Rispen pflücken, wenn die Beeren tief blauschwarz und leicht weich sind; reifen sie ungleichmäßig, mehrmals durchpflücken
Geschmack rot frisch-säuerlich, weiß milder und süßer herb-würzig mit kräftigem Aroma
Verwendung Frischverzehr, Gelee, Saft, Kuchen und Desserts Saft, Gelee, Marmelade, Sirup und Likör; roh vielen zu herb
Bewährte Sorten „Jonkheer van Tets“, „Rovada“, „Weißer Versailler“ „Titania“, „Ometa“

Schwarze Johannisbeeren enthalten deutlich mehr Vitamin C als rote und weiße.

Standort und Boden

Johannisbeeren gedeihen in der Sonne und im Halbschatten. In voller Sonne werden die Beeren süßer und aromatischer, im lichten Schatten bleibt der Boden länger feucht. Tiefer Schatten unter großen Bäumen ist dagegen ungeeignet: Der Strauch trägt dort wenig, und die Baumwurzeln nehmen ihm Wasser und Nährstoffe.

  • Boden: humusreich, tiefgründig und locker, gleichmäßig feucht, ohne Staunässe
  • pH-Wert: schwach sauer bis neutral, etwa 6 bis 7; stark kalkhaltige Böden sind ungünstig
  • Lage: keine Frostsenke, in der sich kalte Luft sammelt

Johannisbeeren sind Flachwurzler. Ihre Wurzeln liegen dicht unter der Oberfläche und reagieren empfindlich auf Trockenheit und auf tiefes Hacken. Zudem blühen sie früh im Jahr, sodass Spätfröste in kalten Senken die Blüten schädigen. Ist der Boden verdichtet oder sehr kalkhaltig, lohnt eine Verbesserung vor dem Pflanzen. Wie sich der pH-Wert messen und anpassen lässt, erklärt der Ratgeber Gartenboden verbessern.

Die richtige Pflanzzeit

Johannisbeeren werden am besten im Herbst gepflanzt: Im noch warmen, feuchten Boden wurzeln sie bis zum Winter ein und treiben im Frühjahr kräftig aus. Da sie sehr früh im Jahr austreiben, wird eine Frühjahrspflanzung so zeitig wie möglich angesetzt.

  • Wurzelnackte Sträucher: im Herbst, meist im Oktober und November, sobald das Laub gefallen ist und solange der Boden nicht gefroren ist. Alternativ im zeitigen Frühjahr ab März, bevor die Knospen austreiben.
  • Containerpflanzen: das ganze Jahr über, solange der Boden frostfrei ist. Am einfachsten gelingt es im September und Oktober oder im zeitigen Frühjahr; im Hochsommer muss konsequent gegossen werden.

Strauch oder Hochstämmchen

Im Handel gibt es Johannisbeeren als Strauch und als Hochstämmchen. Sträucher werden meist 1 bis 1,5 Meter hoch, wachsen in die Breite und bilden immer wieder neue Triebe aus dem Boden, durch die sie sich über viele Jahre verjüngen lassen.

Hochstämmchen sind auf einen Stamm veredelt und tragen eine kleine Krone. Sie brauchen wenig Grundfläche, die Beeren hängen in bequemer Pflückhöhe, und sie eignen sich für kleine Gärten und große Kübel. Dafür brauchen sie dauerhaft einen Stützpfahl. Die Krone wird jedes Jahr nach denselben Regeln ausgelichtet wie ein Strauch der jeweiligen Art, Austriebe am Stamm und aus dem Boden werden entfernt.

Johannisbeeren im Kübel

Auf Balkon und Terrasse gedeihen Johannisbeeren auch im Kübel. Wichtig sind ein großes Gefäß mit Abzugsloch, eine strukturstabile Kübelpflanzenerde und regelmäßiges Gießen, denn der flache Wurzelballen trocknet im Topf schnell aus. Gedüngt wird häufiger als im Beet, etwa mit Flüssigdünger nach Packungsangabe. Im Winter schützt eine Hülle aus Vlies oder Jute den Topf vor dem Durchfrieren. Mehr zur Versorgung steht im Ratgeber Kübelpflanzen gießen und düngen.

Johannisbeeren pflanzen: Schritt für Schritt

Beim Kauf zahlt sich Qualität aus: Kräftige, mehrjährig gewachsene Sträucher mit mehreren gesunden Trieben tragen oft schon im ersten Jahr einige Beeren. Sehr kleine, schwache Pflanzen brauchen dagegen unter Umständen mehrere Jahre bis zur ersten nennenswerten Ernte.

  1. Wässern: Wurzelnackte Sträucher einige Stunden in einen Eimer Wasser stellen. Containerpflanzen samt Topf eintauchen, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.
  2. Boden vorbereiten: Den Pflanzplatz lockern und Wurzelunkräuter gründlich entfernen.
  3. Pflanzloch ausheben: etwa doppelt so breit wie der Wurzelballen und so tief, dass der Strauch tiefer zu sitzen kommt als zuvor. Die Sohle mit der Grabegabel zusätzlich lockern.
  4. Erde mischen: Den Aushub mit reifem Kompost vermengen.
  5. Tiefer setzen: Den Strauch einige Zentimeter tiefer einsetzen, als er im Topf oder in der Baumschule stand. Aus dem überdeckten unteren Bereich bildet er zusätzliche Wurzeln und neue Bodentriebe. Hochstämmchen werden nicht tiefer gesetzt; bei ihnen wird der Stützpfahl vor dem Einsetzen eingeschlagen.
  6. Auffüllen: Erde einfüllen und rund um den Strauch vorsichtig festtreten.
  7. Angießen: Einen Gießrand formen und kräftig wässern, damit sich die Erde um die Wurzeln schließt.
  8. Pflanzschnitt: Schwache Triebe bodennah entfernen. Drei bis vier kräftige Triebe stehen lassen und deutlich einkürzen; das fördert die Verzweigung und neue Bodentriebe.
  9. Mulchen: Eine Schicht aus Rasenschnitt, Laub oder Kompost hält den Boden feucht und unterdrückt Unkraut.

Pflanzabstand: Sträucher brauchen 1 bis 1,5 Meter Abstand, damit sie sich ausbreiten können und nicht um Wasser und Nährstoffe konkurrieren. Hochstämmchen kommen mit etwas weniger Platz aus.

Gießen, Mulchen und Düngen

Frisch gepflanzte Johannisbeeren werden in der Anfangszeit regelmäßig gegossen, vor allem bei warmem Wetter. Eingewachsene Sträucher brauchen in trockenen Sommerwochen zusätzlich Wasser, besonders während der Fruchtreife im Juni und Juli. Eine gleichmäßige Versorgung sorgt für größere, saftigere Beeren. Gegossen wird direkt auf den Boden, Staunässe ist zu vermeiden.

Weil die Wurzeln flach liegen, ersetzt eine dauerhafte Mulchschicht das Hacken. Sie hält die Feuchtigkeit, unterdrückt Unkraut und schützt die Wurzeln vor Hitze. Geeignet sind angewelkter Rasenschnitt, Laub, gehäckselter Strauchschnitt oder Kompost; mehr dazu im Ratgeber Mulchen im Garten.

Johannisbeeren lieben nährstoffreichen Boden, gedüngt wird trotzdem maßvoll:

  • Frühjahr: Zum Austrieb eine Schicht reifen Kompost verteilen und etwas organischen Beerendünger nach Packungsangabe flach einarbeiten. Selbst angelegter Kompost eignet sich dafür besonders.
  • Ergänzung: Verdünnte Brennnesseljauche kann im Frühjahr und Frühsommer zusätzlich gegossen werden. Unverdünnt ist sie zu scharf für die Wurzeln; Herstellung und Mischungsverhältnis beschreibt der Ratgeber Brennnesseljauche herstellen.
  • Nach der Ernte: keine stickstoffbetonte Düngung mehr, damit die Triebe bis zum Winter ausreifen.

Johannisbeeren schneiden

Ohne Schnitt vergreisen Johannisbeeren: Der Strauch wird dicht, im Inneren fehlt Licht, und die Ernte nimmt von Jahr zu Jahr ab. Ziel des Schnitts ist ein lockerer Strauch aus Trieben unterschiedlichen Alters, in dem alte Triebe laufend durch junge ersetzt werden.

Der richtige Zeitpunkt

Der beste Zeitpunkt für den jährlichen Auslichtungsschnitt ist direkt nach der Ernte. Abgetragene Triebe sind dann gut zu erkennen, und die jungen Triebe bekommen bis zum Herbst mehr Licht. Wer diesen Termin verpasst, kann im späten Winter vor dem Austrieb schneiden, solange kein starker Frost herrscht.

Rote und weiße Johannisbeeren

Sie tragen am besten an zwei- und dreijährigen Trieben. Ältere Triebe lassen im Ertrag nach; sie sind an der dunklen, rauen Rinde und an vielen kurzen, stark verzweigten Seitentrieben zu erkennen.

  • Jedes Jahr einige der ältesten Haupttriebe bodennah abschneiden.
  • Als Ersatz ebenso viele kräftige junge Bodentriebe stehen lassen, überzählige junge Bodentriebe entfernen.
  • Schwache, kranke, am Boden liegende und nach innen wachsende Triebe herausnehmen.

Schwarze Johannisbeeren

Sie tragen vor allem an den einjährigen Langtrieben, die im Vorjahr gewachsen sind. Deshalb werden sie kräftiger ausgelichtet, damit jedes Jahr genügend neue Triebe nachwachsen. Abgetragene Triebe werden nach der Ernte bodennah entfernt oder direkt über einem kräftigen jungen Seitentrieb abgeschnitten (Ableiten). Die jungen Langtriebe bleiben ungekürzt, denn an ihnen sitzen die Blütenknospen für das nächste Jahr.

Praxisbeispiel: Eine schwarze Johannisbeere am Gartenzaun wird jedes Frühjahr wie eine Hecke rundum eingekürzt. Sie bildet viele kurze Seitentriebe, trägt aber von Jahr zu Jahr weniger. Die Ursache: Mit den Triebspitzen gehen jedes Mal die einjährigen Langtriebe verloren, an denen die Ernte des Sommers hängt. Besser ist es, nach der Ernte zwei oder drei der ältesten Triebe bodennah herauszunehmen und die jungen Langtriebe ungekürzt stehen zu lassen. Im folgenden Sommer tragen sie wieder volle Rispen.

Ernte und Verwendung

Je nach Sorte reifen die ersten Johannisbeeren ab Ende Juni, späte Sorten ab Ende Juli. Geerntet wird bei trockenem Wetter in ganzen Rispen, sobald die Beeren vollständig ausgefärbt und leicht weich sind. Wer nach dem Ausfärben noch einige Tage wartet, erntet süßere und aromatischere Beeren.

  • Pflücken: Die Rispe am Stiel abknipsen oder mit der Schere abschneiden; die Beeren werden erst in der Küche mit einer Gabel abgestreift.
  • Vogelschutz: Amseln und Stare fressen reife Beeren gern. Ein feinmaschiges Netz, rechtzeitig vor der Reife straff über den Strauch gespannt und unten geschlossen, schützt die Ernte, ohne dass sich Vögel verfangen. Weitere Möglichkeiten zeigt der Ratgeber Vogelschutz im Garten.
  • Lagern: Frisch gepflückt halten sich Johannisbeeren im Kühlschrank einige Tage. Zum Einfrieren werden sie zuerst einzeln auf einem Blech vorgefroren und dann in Beutel gefüllt, so kleben sie nicht zusammen.

Schädlinge und Krankheiten

Johannisbeeren sind robust. Regelmäßiger Schnitt und ein passender Standort beugen den meisten Problemen vor. Am häufigsten sind:

  • Johannisbeerblasenlaus: Die Läuse sitzen an der Blattunterseite, auf der Oberseite entstehen rötliche Blasen. Der Schaden bleibt meist optisch und mindert die Ernte kaum; stark befallene Blätter werden entfernt. Natürliche Gegenspieler und Hausmittel nennt der Ratgeber Blattläuse bekämpfen.
  • Säulenrost: vor allem an schwarzen Johannisbeeren. Auf der Blattunterseite zeigen sich gelb-orange Pusteln, später fallen die Blätter vorzeitig ab. Befallenes Laub wird entfernt und nicht kompostiert. Der Pilz wechselt zwischen Johannisbeere und fünfnadeligen Kiefern wie der Weymouthskiefer, deren Nähe den Befall fördert. Robuste Sorten sind die beste Vorbeugung.
  • Echter Mehltau: weißer, abwischbarer Belag an Triebspitzen, Blättern und Beeren, häufig an schwarzen Johannisbeeren. Befallene Triebspitzen abschneiden und auf einen luftigen Wuchs achten; mehr dazu unter Mehltau bekämpfen.

Bewährte Sorten

Früh und spät reifende Sorten nebeneinander verteilen die Ernte über mehrere Wochen und bringen Abwechslung:

  • „Jonkheer van Tets“ (rot): frühe Sorte, reift ab Ende Juni
  • „Weißer Versailler“ (weiß): ebenfalls früh, ab Ende Juni
  • „Rovada“ (rot): späte Sorte, reift ab Ende Juli und verlängert so die Erntezeit
  • „Titania“ und „Ometa“ (schwarz): robust, ertragreich und pflegeleicht

Ähnliche Ansprüche an Standort und Boden stellt die eng verwandte Stachelbeere, die gut daneben in den Beerengarten passt.

Häufige Fragen zu Johannisbeeren

Wann ist die beste Pflanzzeit für Johannisbeeren?

Am günstigsten ist der Herbst: Containerpflanzen ab September, wurzelnackte Sträucher nach dem Laubfall im Oktober und November, solange der Boden nicht gefroren ist. Im Frühjahr wird möglichst früh gepflanzt, ab März und vor dem Austrieb. Containerpflanzen lassen sich bei frostfreiem Boden das ganze Jahr setzen.

Wann werden Johannisbeeren geschnitten?

Der jährliche Auslichtungsschnitt erfolgt am besten direkt nach der Ernte, alternativ im späten Winter vor dem Austrieb. Bei roten und weißen Sorten werden die ältesten Triebe entfernt. Schwarze werden kräftiger ausgelichtet, damit genügend einjährige Langtriebe nachwachsen.

Reicht ein einzelner Strauch für eine gute Ernte?

Ja. Johannisbeeren sind selbstfruchtbar und tragen auch allein. Mehrere Sorten verbessern meist den Fruchtansatz, und eine Kombination aus früh und spät reifenden Sorten verlängert die Erntezeit über mehrere Wochen.

Warum fallen Blüten und junge Beeren ab?

Fallen Blüten oder unreife Beeren von der Rispe, spricht man vom Verrieseln. Häufige Ursachen sind Spätfrost während der Blüte, Trockenheit und kühles, nasses Wetter, bei dem wenige Insekten fliegen und die Bestäubung leidet. Ein Standort außerhalb von Frostsenken, gleichmäßige Bodenfeuchte und mehrere Sorten nebeneinander beugen vor.

Wann tragen neu gepflanzte Johannisbeeren?

Kräftige, mehrjährig gewachsene Sträucher tragen oft schon im ersten Sommer nach der Pflanzung einige Beeren. Eine nennenswerte Ernte ist ab dem zweiten Standjahr zu erwarten. Sehr kleine Jungpflanzen brauchen länger.

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