Rhabarber pflegen nach der Ernte ist eine Aufgabe, die viele Gärtner vernachlässigen – dabei entscheidet die Sommerpflege maßgeblich, wie üppig die Pflanze im nächsten Jahr austreibt. Bis zum Johannistag (24. Juni) darf Rhabarber geerntet werden; danach braucht er Ruhe und gezielte Fürsorge. Wer jetzt die richtigen Maßnahmen ergreift, legt den Grundstein für eine reiche Frühjahrsernte im nächsten Jahr.
Inhaltsverzeichnis
Warum der Rhabarber nach der Ernte Ruhe braucht
Rhabarber ist ein Starkzehrer: Jede geerntete Stange kostet die Pflanze Energie. Nach dem letzten Erntetermin Ende Juni hat der Rhabarber nur noch wenige Monate, um Reserven für den Winter und den nächsten Frühling aufzubauen. Wer jetzt weiter erntet oder die Pflanze vernachlässigt, riskiert schwächliche Triebe im folgenden Jahr – im schlimmsten Fall stirbt die Pflanze ganz ab.
Die wichtigste Regel lautet daher: Nach dem Johannistag nicht mehr ernten und die verbleibenden Stangen und Blätter stehen lassen, damit die Pflanze Photosynthese betreiben und Kohlenhydrate einlagern kann. Die großen Blätter sind buchstäblich die Energiefabrik der Pflanze.
Tipp 1: Blütenstängel sofort entfernen
Rhabarber neigt im Sommer dazu, mächtige Blütenstängel zu treiben. Diese sind leicht zu erkennen: Sie sind deutlich dicker als normale Blattstiele und enden in einem weißlich-grünen Blütenstand. Schneidest du diese Blütenstängel nicht rechtzeitig ab, verbraucht die Pflanze enorme Mengen Energie für die Samenbildung – auf Kosten der Wurzelreserven.
Entferne Blütenstängel bodennah mit einem sauberen Schnitt, sobald du sie entdeckst. Das kann den gesamten Sommer über mehrfach nötig sein. Ältere, etablierte Pflanzen neigen häufiger zum Schießen als junge.
Tipp 2: Düngen für die Erholung
Direkt nach dem letzten Erntetermin ist der ideale Zeitpunkt für eine Sommerdüngung. Rhabarber als Starkzehrer benötigt jetzt Stickstoff für den Blattaufbau und Kalium für die Einlagerung von Nährstoffen in den Wurzeln.
- Kompost: 3–5 Liter reifen Kompost um die Pflanze verteilen und leicht einarbeiten – ideal als Langzeitdünger
- Hornmehl: 50–80 g pro Pflanze, langsam wirkend, gut verträglich
- Flüssigdünger: Schnell verfügbar, aber nur verdünnt einsetzen
Mulche anschließend mit einer 5–8 cm dicken Schicht Rindenmulch oder Stroh. Das hält die Feuchtigkeit, reguliert die Bodentemperatur und hemmt Unkrautwuchs.
Tipp 3: Regelmäßig und tief gießen
In den heißen Sommermonaten verdunstet Rhabarber über seine großen Blätter enorme Mengen Wasser. Trockenstress führt zu welken, hängenden Blättern und bremst den Aufbau der Wurzelreserven. Gieße daher mindestens zweimal pro Woche tief und gleichmäßig.
Achte darauf, dass das Wasser wirklich in den Boden eindringt und nicht nur die Oberfläche benetzt. Ein Mulchring um die Pflanze reduziert die Verdunstung erheblich. Staunässe solltest du unbedingt vermeiden – der Rhabarber reagiert mit Wurzelfäule.
Tipp 4: Alte Blätter stehen lassen
Ein weit verbreiteter Fehler ist es, nach der Ernte alle Stiele und Blätter abzuschneiden. Die verbleibenden Blätter sind die Energiefabrik des Rhabarbers: Über die Photosynthese produzieren sie die Zucker, die in den Wurzeln gespeichert werden. Lass alle gesunden Stiele und Blätter bis in den Herbst stehen. Erst wenn sie von allein verwelken und absterben, kannst du sie bodennah abschneiden. Kranke oder beschädigte Blätter dürfen jederzeit entfernt werden.
Tipp 5: Rhabarber teilen und verjüngen
Ältere Rhabarberpflanzen (ab 5–8 Jahren) lassen in der Ernte nach. Der Hochsommer ist kein guter Teilungszeitpunkt – das solltest du auf Ende August oder September verschieben, wenn die Hitze nachlässt. Dann kannst du den Wurzelstock mit einem Spaten teilen und die Tochterpflanzen neu setzen. Jedes Teilstück braucht mindestens eine kräftige Knospe. Ein neuer Standort und frische Erde geben dem Rhabarber einen regelrechten Energieschub. Nach zwei Jahren trägt er wieder voluminöse Stangen.
Beliebte Rhabarber-Sorten im Überblick
Nicht alle Sorten sind gleich. Diese Sorten haben sich in deutschen Hausgärten bewährt:
- ‚Holsteiner Blut‘: Rotfleischige Stangen, sehr süß-säuerlich, klassische Marmeladenqualität
- ‚Frambozen Rood‘: Frühe Sorte, kräftig rote Stangen, mild im Geschmack
- ‚Goliath‘: Sehr ertragreich, grüne Stangen, milder Geschmack, ideal für Einsteiger
- ‚Timperley Early‘: Früheste Sorte, eignet sich gut für Treiberei unter Glocken
Rote Sorten sind meistens milder und aromatischer als grüne, die oft saurer schmecken. Welche du bevorzugst, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.
Häufige Fragen zu Rhabarber pflegen
Wann darf ich Rhabarber nicht mehr ernten?
Die klassische Regel: nicht nach dem Johannistag am 24. Juni. So bleibt der Pflanze genug Zeit für den Aufbau von Winterreserven.
Warum treibt mein Rhabarber im Sommer so klein aus?
Zu intensives Ernten im Frühjahr, fehlende Düngung oder Trockenstress schwächen die Pflanze. Sommerdüngung und regelmäßiges Gießen helfen bei der Erholung.
Ist Rhabarber winterhart?
Ja, Rhabarber ist sehr winterhart bis –20 °C. Ein leichter Mulchschutz über der Krone schadet aber nicht, besonders bei jungen Pflanzen.
Kann ich Rhabarberblätter kompostieren?
Ja, aber in Maßen. Rhabarberblätter enthalten Oxalsäure, die im Kompost abgebaut wird. Mische sie gut mit anderem Grünmaterial.
Fazit
Rhabarber pflegen nach der Ernte ist keine Schwerstarbeit, aber entscheidend für die Folgejahre. Blütenstängel entfernen, düngen, regelmäßig gießen und die Blätter stehen lassen – diese Maßnahmen sichern dir eine kräftige Pflanze und eine reiche Ernte im nächsten Frühjahr. Starte jetzt und belohne deinen Rhabarber für seine Frühjahrsarbeit – er wird es dir im nächsten Jahr mit saftigen, dicken Stangen danken!



