Tomaten aussäen: Zeitplan, Anzucht und Pikieren

Tomatensamen werden mit dem Finger in eine Anzuchtplatte mit Erde gedrückt

Tomaten brauchen eine lange, warme Saison. Die mitteleuropäische Gartensaison ist zu kurz, um sie direkt ins Beet zu säen und bis zur Reife zu bringen. Deshalb werden Tomaten im Haus oder im beheizten Gewächshaus vorgezogen und erst nach den Eisheiligen ins Freie gesetzt. Entscheidend sind der passende Aussaattermin, Wärme zum Keimen und danach viel Licht. Dieser Ratgeber führt durch alle Schritte bis zum Auspflanzen. Einen Überblick über Standort, Sorten und Pflege bietet die Seite Tomaten anbauen.

Wann Tomaten ausgesät werden

Der Termin wird vom Auspflanzen her berechnet. Tomaten sind frostempfindlich und kommen erst nach den Eisheiligen Mitte Mai ins Freie, wenn keine Nachtfröste mehr zu erwarten sind. Zwischen Aussaat und Auspflanzen liegen rund sechs bis acht Wochen. Für die Fensterbank ergibt sich daraus ein Aussaatfenster von etwa Mitte März bis Anfang April. Was in diesen Wochen sonst noch vorgezogen wird, zeigt der Pflanzkalender für März und April.

Wie früh es losgehen kann, entscheidet vor allem das Licht. Im Februar sind die Tage kurz, die Sämlinge bekommen auf der Fensterbank zu wenig Licht und werden lang und dünn. Eine frühere Aussaat lohnt sich deshalb nur mit zusätzlicher Beleuchtung.

  • Beheiztes Gewächshaus oder Pflanzenlampe: ab Mitte Februar. Die Jungpflanzen sind beim Auspflanzen größer und brauchen bis dahin genug Platz im Topf.
  • Helle Fensterbank ohne Zusatzlicht: an einem Südfenster ab Anfang März, an weniger hellen Fenstern besser ab Mitte März, spätestens Anfang April.
  • Im Lauf des Aprils: noch möglich. Die Pflanzen sind beim Auspflanzen kleiner, die Ernte beginnt später.
  • Direktsaat im Freiland: nicht sinnvoll. Gesät werden könnte erst nach den letzten Frösten, und bis zur Reife bliebe dann zu wenig Zeit.

Der Zeitplan im Überblick

Woche/Monat Schritt Temperatur
ab Mitte Februar Aussaat mit Pflanzenlampe oder im beheizten Gewächshaus 20–25 °C zum Keimen
Anfang März bis Anfang April Aussaat auf der hellen Fensterbank 20–25 °C zum Keimen
1. bis 2. Woche nach der Aussaat Keimung, Abdeckung entfernen, Schale an den hellsten Platz danach kühler, etwa 18–20 °C
2. bis 3. Woche nach der Keimung Pikieren in Einzeltöpfe etwa 18–20 °C
Ende April bis Mitte Mai Abhärten im Freien, Dauer täglich steigern tagsüber mild, nachts zunächst ins Haus
nach den Eisheiligen, ab Mitte Mai Auspflanzen keine Nachtfröste mehr

Was für die Anzucht gebraucht wird

  • Anzuchtschale oder kleine Töpfe mit Abzugslöchern im Boden
  • Anzuchterde: nährstoffarm, feinkrümelig und keimfrei
  • Saatgut aus dem Fachhandel oder aus eigener Ernte samenfester Sorten
  • Sprühflasche zum Befeuchten ohne Staunässe
  • Klarsichtfolie oder Anzuchthaube für ein feucht-warmes Keimklima
  • Heller, warmer Platz: am besten ein Südfenster, bei früher Aussaat zusätzlich eine Pflanzenlampe
  • Töpfe mit etwa 10 cm Durchmesser und schwach gedüngte Erde für das Pikieren

Normale Blumenerde oder Tomatenerde eignet sich nicht für die Aussaat. Sie enthält zu viele Nährstoffe, die Sämlinge bilden dann viel Blattmasse, aber nur schwache Wurzeln. Anzuchterde ist dagegen nährstoffarm und locker. Sie sollte keimfrei sein, also weder Pilzsporen noch Unkrautsamen enthalten. Wer selbst mischt, lockert Anzuchterde mit etwas Kokoserde oder feinem Sand auf.

Tomaten aussäen: Schritt für Schritt

Ob in der Schale oder direkt in kleinen Töpfen, der Ablauf ist derselbe:

  1. Erde einfüllen: Die Anzuchterde leicht anfeuchten, locker einfüllen und nur leicht andrücken, sodass eine ebene Fläche entsteht. Fest gepresste Erde behindert die feinen Wurzeln.
  2. Samen auslegen: in der Schale mit 3 bis 4 cm Abstand, in kleinen Töpfen ein bis zwei Samen pro Topf.
  3. Dünn bedecken: die Samen 0,5 bis 1 cm hoch mit Erde übersieben. Tomaten keimen im Dunkeln. Liegen sie aber tiefer als 1 cm, keimen sie schlecht oder gar nicht.
  4. Befeuchten: mit der Sprühflasche gleichmäßig anfeuchten. Ein Gießstrahl würde die Samen verschwemmen.
  5. Abdecken und warm stellen: Folie oder Haube darüber und die Schale bei 20 bis 25 °C aufstellen. In dieser Phase zählt Wärme mehr als Licht.
  6. Täglich lüften: die Abdeckung einmal am Tag kurz abnehmen, damit sich kein Schimmel bildet. Die Erde bleibt gleichmäßig feucht, aber nicht nass.

Bei 20 bis 25 °C erscheinen nach etwa 7 bis 14 Tagen die ersten Keimblätter. Bei niedrigeren Temperaturen dauert es länger, und die Samen keimen ungleichmäßig. Sobald die Keimlinge da sind, kommt die Abdeckung ab und die Schale an den hellsten verfügbaren Platz.

Licht und Vergeilen

Nach der Keimung kehrt sich die Rangfolge um: Jetzt ist Licht wichtiger als Wärme. Bekommen die Sämlinge zu wenig davon, strecken sie sich zum Fenster, bilden lange, dünne, blasse Stängel und knicken um. Das nennt man Vergeilen. Vergeilte Pflanzen sind instabil, anfälliger für Krankheiten und lassen sich schlecht auspflanzen. Ein warmer, aber dunkler Platz verstärkt das Problem.

  • Mindestens 12 Stunden Licht am Tag: Diese Tageslänge wird erst um den Frühlingsanfang im März erreicht, davor hilft nur eine Pflanzenlampe.
  • Hellster Platz im Haus: ein Südfenster, möglichst nah an der Scheibe.
  • Nach der Keimung kühler stellen, etwa 18 bis 20 °C. Das bremst das Längenwachstum.
  • Töpfe regelmäßig drehen, damit die Pflanzen gerade wachsen.

Leicht vergeilte Sämlinge sind nicht verloren: Beim Pikieren werden sie tiefer gesetzt, sodass der lange Stängel in der Erde verschwindet und dort Wurzeln bildet.

Tomaten pikieren

Sobald neben den beiden Keimblättern das erste echte Blattpaar erscheint, werden die Sämlinge pikiert, also einzeln in größere Töpfe gesetzt. Das ist meist zwei bis drei Wochen nach der Keimung der Fall. Die echten Blätter haben bereits die gezackte Form des Tomatenlaubs, die Keimblätter sind schmal und glattrandig.

  • Die Anzuchterde vorher anfeuchten, dann lösen sich die Wurzeln leichter.
  • Den Sämling mit einem Pikierstab herausheben und an den Keimblättern halten, nie am empfindlichen Stängel.
  • Stehen zwei Sämlinge in einem Topf, beide vorsichtig trennen oder den schwächeren entfernen.
  • In einen Topf mit etwa 10 cm Durchmesser und schwach gedüngter Kräuter- oder Gemüseerde setzen, tiefer als zuvor, bis knapp unter die Keimblätter.
  • Die Erde leicht andrücken und angießen.

Das tiefe Einsetzen ist eine Besonderheit der Tomate: Der Stängel bildet überall dort, wo er von Erde bedeckt ist, zusätzliche Wurzeln. Die Pflanze steht dadurch stabiler und wird kräftiger. Der Nährstoffvorrat vorgedüngter Erde reicht meist bis zum Auspflanzen. Wann die eigentliche Düngung beginnt, erklärt der Ratgeber Tomaten richtig düngen.

Tomaten abhärten

Im Haus gezogene Tomaten kennen weder direkte Sonne noch Wind oder kühle Nächte. Ohne Gewöhnung bekommen sie draußen schnell Blattschäden und stocken im Wachstum. Deshalb werden sie in den letzten zwei bis drei Wochen vor dem Auspflanzen schrittweise abgehärtet, je nach Witterung ab Ende April oder Anfang Mai.

  • In den ersten Tagen nur wenige Stunden an einen geschützten, halbschattigen Platz stellen.
  • Die Zeit draußen täglich verlängern und die Pflanzen allmählich an mehr Sonne gewöhnen.
  • Nachts zunächst ins Haus holen, draußen übernachten erst bei frostfreien, milden Nächten.
  • Bei Frostgefahr oder kaltem Wind auch tagsüber drinnen lassen.

Sorten für die Anzucht

Wer selbst aussät, hat eine viel größere Auswahl als beim Kauf von Jungpflanzen, die im Handel oft nur in Standardsorten angeboten werden. Bewährt haben sich unter anderem:

  • Robust für den Einstieg: „Harzfeuer“, „Matina“ und „De Berao“
  • Cocktailtomaten: „Supersweet 100“ und „Sweet Million“, kleine Früchte in großer Zahl
  • Rispentomaten: „Clarina“ und „Fantasio“, robust und ertragreich
  • Fleischtomaten: „Ochsenherz“ und „Marmande“, große, aromatische Früchte für Salate und Soßen
  • Besondere Aromen und Farben: „Berner Rose“, „Black Cherry“, „Black Krim“ und „Tigerella“
  • Für Topf und Balkon: kompakte Buschtomaten wie „Balkonstar“ und „Vilma“ sowie die Ampeltomate „Tumbling Tom“

Wer im nächsten Jahr eigenes Saatgut gewinnen möchte, wählt samenfeste Sorten. F1-Hybriden sind oft ertragreicher, ihre Nachkommen fallen aber nicht sortenecht aus. Welche Sorten sich im Kübel bewähren, zeigt der Ratgeber Tomaten auf dem Balkon.

Häufige Fehler beim Tomaten aussäen

  • Zu früh ohne Zusatzlicht gesät: Im Februar reicht das Tageslicht auf der Fensterbank nicht, die Sämlinge vergeilen.
  • Zu tief gesät: Mehr als 1 cm Erde über dem Samen hemmt die Keimung deutlich.
  • Gedüngte Erde für die Aussaat: Sie fördert Blattmasse statt Wurzeln.
  • Staunässe: Dauerhaft nasse Erde führt zu Schimmel und Wurzelfäule und lockt Trauermücken an. Seltener, dafür gründlich gießen und auf Abzugslöcher achten.
  • Zu wenig Licht nach der Keimung: Die Abdeckung bleibt zu lange liegen oder die Schale steht zu dunkel.
  • Abhärten ausgelassen: Ungewohnte Sonne und Wind schädigen die Blätter.
  • Zu früh ausgepflanzt: Auch nach einem warmen April sind bis Mitte Mai Spätfröste möglich, die Tomaten in einer Nacht vernichten.

Kräftige, gedrungen gewachsene Jungpflanzen sind die beste Vorbeugung gegen spätere Probleme. Welche Krankheiten Tomaten im Sommer bedrohen, steht im Ratgeber Tomatenkrankheiten erkennen.

Vom Sämling ins Beet

Praxisbeispiel: Auf der Fensterbank eines Südfensters werden Mitte März je zwei Samen „Harzfeuer“ in kleine Töpfe gesät und unter einer Haube bei rund 22 °C gehalten. Nach etwa zehn Tagen zeigen sich die Keimblätter. Die Haube kommt ab, die Töpfe rücken nah an die Scheibe. In der ersten Aprilhälfte erscheint das erste echte Blattpaar, und die Sämlinge werden tief in 10-cm-Töpfe pikiert. Ab Anfang Mai stehen sie tagsüber auf der Terrasse, nach Mitte Mai kommen sie ins Beet.

Nach den Eisheiligen ziehen die abgehärteten Jungpflanzen ins Beet, ins Hochbeet, ins Gewächshaus oder in große Kübel. Sie werden tief gesetzt, bis zu den unteren Blättern, und bekommen gleich eine Stütze aus Stäben oder Spiralstäben. Pflanzabstand, Standort und Pflege nach dem Auspflanzen beschreibt der Ratgeber Tomaten pflanzen.

Häufige Fragen zum Tomaten aussäen

Kann man Tomaten noch im April aussäen?

Ja. Auf der Fensterbank gelingt eine Aussaat im April sogar leicht, weil die Tage dann lang genug sind und die Sämlinge kaum vergeilen. Die Jungpflanzen sind beim Auspflanzen nach Mitte Mai allerdings kleiner, und die Ernte beginnt später als nach einer Aussaat im März.

Sind Tomaten Licht- oder Dunkelkeimer?

Tomaten gelten als Dunkelkeimer. Die Samen werden deshalb mit Erde bedeckt, aber nur 0,5 bis 1 cm hoch. Licht brauchen erst die Keimlinge, dann allerdings reichlich.

Was tun, wenn die Samen nicht keimen?

Die häufigsten Ursachen sind zu niedrige Temperaturen, zu tief gesäte Samen und zu nasse oder zu trockene Erde. Bei 20 bis 25 °C und gleichmäßiger Feuchte sollten nach spätestens zwei Wochen Keimlinge sichtbar sein. Bleibt die Schale leer, ist eine neue Aussaat mit frischem Saatgut der schnellste Weg. Der Zeitplan lässt dafür bis in den April Spielraum.

Lassen sich Samen aus eigenen Tomaten aussäen?

Ja, wenn die Früchte von einer samenfesten Sorte stammen. Dann wachsen daraus Pflanzen mit denselben Eigenschaften. Samen von F1-Hybriden keimen zwar ebenfalls, ihre Nachkommen fallen aber nicht sortenecht aus und unterscheiden sich oft deutlich von der Mutterpflanze.

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