Kiwi anbauen im eigenen Garten klingt exotisch, ist aber für viele Regionen Deutschlands gut möglich. Mit den richtigen Sorten lassen sich auch hierzulande üppige Ernten einfahren. In diesem Ratgeber erfährst du, welche Kiwi-Arten für das deutsche Klima geeignet sind, wie du die Pflanzung vorbereitest und worauf du bei Pflege und Ernte achten musst.
Inhaltsverzeichnis
Welche Kiwi-Sorten eignen sich für Deutschland?
Die im Supermarkt bekannte Actinidia deliciosa ist leider nur in milden Weinbaulagen winterhart. Für die meisten Gärten in Deutschland eignen sich besser folgende Arten:
- Actinidia arguta (Mini-Kiwi): Winterhart bis –25 °C, Früchte sind klein (2–3 cm), ohne Schälen mit Schale essbar, sehr ertragsreich
- Actinidia kolomikta: Winterhart bis –30 °C, dekorative Blätter mit rosa-weißer Zeichnung, Früchte kleiner und milder
- ‚Issai‘: Selbstfruchtende Sorte (Actinidia arguta), ideal für kleine Gärten ohne Befruchter-Pflanze
- ‚Weiki‘: Deutsche Züchtung, sehr winterhart, gute Erträge, weit verbreitet
- ‚Dumbarton Oaks‘: Robuste weibliche Sorte, mittelgroße Früchte, sehr produktiv
Wichtig: Die meisten Kiwi-Arten sind zweihäusig – du brauchst mindestens eine weibliche und eine männliche Pflanze für die Befruchtung. Ausnahme: selbstbefruchtende Sorten wie ‚Issai‘.
Standort und Bodenbedingungen für Kiwi
Kiwi braucht einen sonnigen bis halbschattigen Standort, geschützt vor kalten Nordwinden. Ein leicht saurer Boden mit pH 5,5–6,5 ist ideal. Der Boden sollte humusreich und gut durchlässig sein; Staunässe führt zu Wurzelfäule. Auf Kalkböden zeigen sich oft Blattvergilbungen (Chlorose), dem kannst du mit einer Eisendüngung entgegenwirken.
Da Kiwi-Pflanzen stark ranken und bis zu 8 Meter lang werden können, brauchen sie eine stabile Rankhilfe: eine Pergola, ein kräftiges Spalier oder gespannte Stahldrähte. Der Aufbau sollte mindestens 3–4 Meter Länge bieten. Kiwi-Pflanzen wachsen sehr schnell – in günstigen Jahren durchaus 2–3 Meter pro Saison.
Kiwi pflanzen: Zeitpunkt und Vorgehen
Die optimale Pflanzzeit ist Mitte Mai nach den Eisheiligen, wenn keine Spätfröste mehr drohen. Containerware kann bis in den Frühsommer gesetzt werden.
So gehst du vor:
- Pflanzgrube doppelt so groß wie der Wurzelballen ausheben
- Boden mit Kompost und etwas Sand (bei schwerem Boden) verbessern
- Pflanze so setzen, dass der Wurzelhals auf Bodenhöhe liegt
- Gut angießen und eine Mulchschicht (5–8 cm) auftragen
- Sofort an der Rankhilfe befestigen
Setze männliche und weibliche Pflanzen im Verhältnis 1:5 (ein Männchen auf fünf Weibchen), damit die Bestäubung optimal klappt. Blüht der Befruchter zu einem anderen Zeitpunkt als die weibliche Sorte, hilft ein Strauß männlicher Blüten in einer Vase neben der weiblichen Pflanze – eine simple, aber wirksame Methode.
Kiwi im Sommer pflegen: Gießen, Düngen und Schneiden
Im ersten Jahr nach der Pflanzung brauchen Kiwi-Pflanzen regelmäßige Bewässerung. In Trockenperioden zweimal pro Woche tief gießen. Ab dem zweiten Jahr sind sie deutlich robuster, benötigen aber in langen Trockenphasen weiterhin Wasser.
Im Frühjahr empfiehlt sich eine Gabe organischen Düngers wie Hornmehl (80 g/m²) oder reifen Kompost. Stickstoffbetonte Dünger sollten nicht zu spät im Sommer gegeben werden, sonst reift das Holz nicht rechtzeitig aus und kann bei Frost schaden.
Der Sommerschnitt ist essenziell: Im Juli und August werden Seitentriebe nach dem 5.–6. Blatt eingekürzt. So bleibt das Gerüst übersichtlich und die Pflanze bildet statt Trieben Früchte. Zu stark wuchernde Triebe entferne ganz. Der Winterschnitt im Januar/Februar formt das Grundgerüst und kürzt Fruchtruten ein.
Kiwi ernten und lagern
Actinidia-arguta-Sorten reifen je nach Lage und Sorte zwischen August und Oktober. Die Früchte sind pflückreif, wenn sie bei leichtem Druck leicht nachgeben. Mini-Kiwis kannst du direkt mit Schale essen – kein Schälen nötig! Das macht sie zu einem unkomplizierten Snack direkt aus dem Garten.
Geerntete Früchte reifen bei Zimmertemperatur nach. Im Kühlschrank halten sie sich 2–4 Wochen. Zusammen mit einem Apfel gelagert (der Ethylen abgibt), beschleunigst du die Nachreife auf wenige Tage.
Winterschutz für Kiwi-Pflanzen
Winterharte Sorten wie Actinidia arguta benötigen bei uns keinen besonderen Schutz. Jungpflanzen im ersten Winter solltest du jedoch absichern: Eine Lage Vlies um die Triebe und Mulch über dem Wurzelbereich schützen bei extremen Frösten. Kiwis in Kübeln auf dem Balkon müssen an einen frostfreien, kühlen Ort (Garage, Keller) gebracht werden.
Vorsicht im Frühjahr: Kiwi treibt früh aus und ist dann noch frostempfindlich. Bei angekündigtem Spätfrost einfach ein Vlies über die Triebe legen.
Häufige Fragen zu Kiwi anbauen
Wann trägt eine Kiwi-Pflanze zum ersten Mal?
Meist ab dem dritten bis vierten Jahr nach der Pflanzung. Mit voller Ernte ist ab dem fünften Jahr zu rechnen.
Brauche ich wirklich eine männliche Pflanze?
Ja, außer bei der Sorte ‚Issai‘. Ein Männchen befruchtet bis zu acht weibliche Pflanzen.
Kann Kiwi auf dem Balkon wachsen?
Mini-Kiwi wächst auch in einem großen Kübel (mindestens 50 Liter), benötigt aber eine stabile Rankhilfe und ausreichend Wasser.
Wie schneidet man Kiwi richtig?
Im Winter (Januar/Februar) wird auf ein- bis zweijähriges Holz zurückgeschnitten. Im Sommer kürzt man Jungtriebe nach dem fünften Blatt ein.
Fazit
Kiwi anbauen im Garten ist mit den richtigen Sorten auch in Deutschland ein lohnendes Projekt. Mini-Kiwi-Sorten wie ‚Weiki‘ oder ‚Issai‘ sind winterhart, ertragsreich und unkompliziert. Wer jetzt im Sommer eine junge Pflanze in die Erde setzt, kann in wenigen Jahren mit einer exotischen Ernte aus dem eigenen Garten rechnen!



