Ingwer anbauen

Ingwer ganz und gemahlen auf dem Tisch © mama_mia - shutterstock.com

Ginger, wie der Ingwer im englischsprachigen Sprachraum genannt wird, ist dort schon seit Langem als Speisenwürze beliebt und findet auch Verwendung für die Herstellung des beliebten Gingerale, einer süßen, im allgemeinen alkoholfreien Ingwerlimonade, die man sich auch leicht selbst herstellen kann. Ginger Beer dagegen ist stärker im Geschmack und meist leicht alkoholhaltig. Auch bei uns wird Ingwer immer beliebter, vor allem da man neben dem scharfen, aromatischen Geschmack, den er den Speisen verleiht, seine vielen, positiven gesundheitlichen Eigenschaften einfach nicht ignorieren kann. Er enthält vor allem ätherische Öle wie Gingerol, Bornbeol und Cineol, aber auch reichlich Vitamin C, die B-Vitamine und zahlreiche Mineralstoffe. Unumstritten ist seine magenstärkende, appetit- und kreislaufanregende Wirkung. Ingwer unterstützt vor allem die Immunabwehr und wirkt stark antiseptisch und schmerzlindernd bei Arthrose, weshalb er selbst in der Tiermedizin Anwendung findet. Neben dem gesundheitlichen Nutzen darf man ruhig zugeben, dass ein Tee aus frischen Ingwerknollen Magen und Seele wärmt, und einfach köstlich schmeckt. Wie viel man von der hauchdünn geschnittenen Knolle für seinen Tee verwendet, hängt von einem persönlich ab. Manchen Zeitgenossen kann er gar nicht stark genug sein und die anderen genießen ihren Tee eben lieber schwächer. Das muss man für sich selbst herausfinden. Ist die Knolle noch frisch und saftig, benötigt man natürlich weniger.

Ingwerknollen selbst anbauen

Bei so vielen wertvollen Eigenschaften bist Du vielleicht jetzt auf die Idee gekommen, Dir die gesunden Heilpflanzen für Deinen persönlichen Bedarf selbst anzubauen. Bei der Ingwerpflanze handelt es sich um eine tropische bzw. subtropische Pflanze, die viel Wärme und Feuchtigkeit benötigt und vor allem in Indien, China, Australien, Jamaika, Brasilien und Japan gedeiht. Die bei uns fast das ganze Jahr im Supermarkt erhältliche Ingwerknolle stammt vor allen aus China. Da die Pflanze bei den bei uns im Winter auftretenden Temperaturen nicht überwintern kann, muss sie vor dem Winter, am besten im Oktober, geerntet werden. D. h. das Rhizom (fälschlicherweise meist als Ingwerwurzel bezeichnet) wird mitsamt den daran befindlichen Wurzeln und dem über der Erde befindlichen Trieb aus der Erde gezogen. Wenn die Blätter an dem grünen Pflanzentrieb anfangen gelb zu werden und abzusterben, ist die Zeit für die Ernte gekommen.I

Das Rhizom der Ingwerpflanze

Ein Rhizom wird umgangssprachlich oft als Wurzelstock bezeichnet. Es ist aber ein Teil des Sprosssystems und besitzt keinerlei Wurzelmerkmale. Bekannte andere Rhizome sind z. B. der Spargel und Kurkuma, aber auch Maiglöckchen, Buschwindröschen und Efeu bilden Rhizome. Erfreulicherweise können Pflanzen die ein Rhizom bilden vegetativ besonders leicht vermehrt werden. Mit einem spitzen Messer teilt man die Sprossachse in etwa zwei bis fünf Zentimeter große Stücke, aus deren Knospen wieder ganze Pflanzen wachsen können. Diese gärtnerische Technik ist nicht mit einer Stockteilung zu verwechseln.

Die Anzucht der Pflanzen

Im März kann man die Ingwerpflanzen ins Freie pflanzen. Damit Du es in der kurzen Saison von der Anpflanzung im März bis zum Erntemonat im Oktober zu einer reichen Ernte schaffst, solltest Du die Pflanzen in einem Blumentopf schon vorgezogen haben. Die Teile der zerteilten Sprossachse legt man in eine Pflanzschale oder einen Blumentopf, drückt diese leicht an und gibt etwa zwei Zentimeter Erde darauf. Dafür solltest Du sogenannte Anzucht- oder Aussaaterde verwenden, die viel organische Substanzen enthält und die es in jedem Gartencenter zu kaufen gibt. Falls man Humus aus der Gartenkompostierung (Rotte) zur Verfügung hat, kann man auch diesen unter Zugabe von etwa 50 Prozent Hochmoortorf verwenden. Die Erde sollte man dann vorsichtig befeuchten und den Topf zu Treiben an einen warmen Platz stellen. Dafür genügt schon ein kleines Gewächshaus für die Fensterbank. Alternativ kann man auch eine Plastikfolie um den austreibenden Spross legen. Denn die Ingwerpflanze liebt es warm und feucht. Schon bald wirst Du sehen, wie ein kräftiger Trieb aus dem Rhizom wächst und bis März zu einer stattlichen Pflanze mit spitzen, an Schilf erinnernden Blättern heranwächst. Staunässe musst Du aber unbedingt vermeiden, wenn Du mit Deinem Anbau Erfolg haben willst. Deshalb muss immer sehr vorsichtig gegossen werden und die verwandten Pflanzkübel brauchen einen guten Abfluss (Drainage).

Der Anbau des Gewürzes im Frühjahr

Mit den kräftig gewachsenen Pflanzen schreitet man dann im März in Freie. Du kannst die Ingwerpflanzen in große Pflanzkübel mit gutem Ablauf (Achtung vor Staunässe) pflanzen und windgeschützt auf Terrasse oder Balkon platzieren. Sollte Dir ein Garten zum Anbau zur Verfügung stehen, so kannst Du dort Deine Pflanzen an einem sonnigen, windgeschützten Platz anpflanzen. Die Erde sollte an dieser Stelle genauso wie die Erde im Blumenkübel sein. Locker und leicht. Ist die Erde in Deinem Garten aber vor allem lehmhaltig und somit schlecht geeignet für Deine Gewürzpflanzen, so solltest Du eine Pflanzgrube ausheben und diese mit geeigneter Erde aus dem Gartencenter befüllen. Schließlich möchtst Du ja nach all dieser Arbeit auch Erfolg mit Deiner Pflanzung haben. Erfreulicherweise verabscheuen sowohl Maulwürfe als auch Wühlmäuse den Genuss dieser köstlichen Ingwerrhizome. Angeblich soll dieses Gewürz sogar diese Nager fernhalten.

Freue Dich auf eine wunderschöne Blüte

Während der Ginger fleißig austreibt und Stiele mit vielen länglichen Blättern bekommt und dabei eine Höhe von bis zu 150 Zentimeter erreichen kann, solltest Du an Deinen Pflanzen irgendwann eine dicke Knospe heranwachsen sehen, die dann im Juni oder Juli mit vielen wunderschönen, kleinen Blüten bezaubert, die rot, aber auch gelb mit braun sein können. Diese Blüte hat auf Deinen Ernteertrag zwar keine Auswirkung, ist aber trotzdem ein echtes Highlight. Deshalb zögern Hobbygärtner die Ernte ihrer Rhizome auch öfters noch etwas hinaus, damit sie das Erblühen der Blüten noch bewundern können. Denn wenn ein kühler Sommer ist, kann sich die Blütezeit auch etwas verschieben. Danach kannst Du jedenfalls ernten, ob Du nun eine Blüte hattest oder nicht.

Auch der Ingwer ist vor Schädlingen nicht sicher.

Damit Deine Pflanzen nicht von Schädlingen befallen werden, solltest Du sie regelmäßig auf Befall kontrollieren. Zwar sind die Rhizome weitgehend vor Schädlingen geschützt, sie können aber Wurzelfäule bekommen, wenn Du zuviel gießt. Deshalb sollten sich die obersten zwei Zentimeter des Substrats spürbar trocken anfühlen. Ein Zeichen für Wurzelfäule sind kümmerlicher Wuchs und muffiger Geruch. Da hilft dann nur ein Umsetzen in frische Erde. Gießen solltest Du immer mit kalkfreiem Wasser am besten mit Regenwasser. Die oberirdischen, grünen Pflanzenteile können von diversem Ungeziefer befallen werden, wie zum Beispiel Blattläuse und Schildläuse. Gegen diese Plagegeister gibt es im Handel diverse chemische Mittelchen für Gemüsepflanzen. Als Sticks, die man ins Erdreich steckt oder als Flüssigkeit, die man auf die Pflanze sprüht. Meist muss dieser Vorgang regelmäßig wiederholt werden, um einem erneuten Befall vorzubeugen. Man kann aber auch altbewährte Hausmittel dafür verwenden, die zudem noch um einiges preisgünstiger sind. Besonders empfiehlt sich hier die altbekannte schwarze Marseiller Flüssigseife oder einfache Schmierseife. Die gibt man auf Anweisung in eine Sprühflasche und besprüht die Pflanze damit nach Sonnenuntergang. Bei den hartnäckigeren Schildläusen hat es sich zudem bewährt, wenn man 30 Milliliter Spiritus jedem Liter Sprühflüssigkeit noch beimengt.

Ingwer überwintern

Wenn nun endlich die Ernte eingefahren ist und Du Dir an einem dunklen, kühlen Ort (damit die Rhizome nicht austreiben) ein Lager angelegt hast, hat sich Deine Gewürzpflanze auch eine Ruhepause verdient. Von November bis Januar befindet sich die Heilpflanze in einer Ruhepause. Da verliert die Pflanze die Blätter und nur ihre Knolle überlebt. In dieser Zeit solltest Du den Blumentopf oder den Pflanzkübel, in dem Du ein Stück Rhizom belassen hast, an einen dunklen, kühlen Ort stellen, mit Temperaturen nicht über zehn Grad. Jegliches Gießen sollte man bis Februar einstellen, bis Du die Pflanze erneut ins Freie stellst. Natürlich muss die Erde dann auch gedüngt beziehungsweise mehr oder weniger durch neue ersetzt werden. Alternativ kannst Du Dir aber auch wieder neue Pflanzen aus Rhizomstücken ziehen, wie weiter ober schon beschrieben.

Mit Gingerale auf eine erfolgreiche Ernte anstoßen

Nach all der Arbeit, aber auch nach der Freude, das selbst angebautes Gemüse oder Gewürze mit sich bringen, hast Du Dir ein leckeres Ginger Ale verdient. Am besten natürlich frisch und selbst gebraut. Das einfache Rezept für dieses schnell zubereitete Getränk will ich Dir zum Abschluss auch nicht vorenthalten. Diese einzigartige Limonade hat ihren typischen Geschmack dem scharf-würzigen Rhizom zu verdanken. Es lässt sich nicht nur als Softdrink genießen, sondern eignet sich auch zur Herstellung von Bowlen und Cocktails oder zum Mischen mit Spirituosen wie Gin oder Whiskey.

Ingwer Das Erfolgsrezept

Auf einen Liter Leitungswasser gibst Du ein daumengroßes, fein geriebenes Stück Ingwerrhizom (für einen kräftigeren Geschmack gerne mehr). Dazu 250 Gramm Rohrzucker, der Saft einer Zitrone und ein Päckchen Trockenhefe. Das Ganze wird in eine Plastikflasche gefüllt und 24 Stunden an einem warmen Ort gelagert. Aber bitte gib Acht, dass in der Flasche noch genügend Platz für den Gärprozess bleibt. Wenn die Flasche auf Fingerdruck nicht mehr nachgibt, dann ist der Gärprozess abgeschlossen. Lege dann die Flasche vor dem Öffnen zur Kühlung für einige Stunden in den Kühlschrank. Danach kannst Du sie vorsicht öffnen (Vorsicht, es kann noch ein hoher Druck drauf sein) und vor dem Servieren durch ein Sieb gießen. Prost!

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