Wein schneiden / Weinreben schneiden

© symbiot - shutterstock.com

Ein kleiner Ratgeber zum Thema Wein schneiden

Damit ein Weinstock schöne Früchte trägt und nicht verwahrlost, muss er regelmäßig geschnitten werden. Die Rebe kann mehrmals im Jahr geschnitten, gebrochen und gekürzt werden. Es wird jedoch zwischen verschiedenen Schnitten unterschieden. Wann, wie und wo eingekürzt wird, spielt bei der Weintraube eine große Rolle, noch mehr wenn schöne, gesunde Früchte erwartet werden. Achte, dass du die Weintrauben nicht mit der Jostabeere verwechselst. In ihrem Aussehen ähnelt sie stark einer Traube, sie wird jedoch zu anderen Zwecken genutzt. Die Jostabeere wächst auch anders und sollte daher nicht wie eine Traube behandelt werden.

Wann im Jahr sollte der Wein geschnitten werden?

  1. Der eigentliche Rebschnitt erfolgt im späten Winter, manchmal sogar erst im März. Hier wird die Pflanze großzügig zurückgeschnitten, damit sie im kommenden Jahr in der gewollten Erziehungsform weiterwächst, sich gut entwickeln kann und hoffentlich auch wieder prächtige Früchte tragen kann.
  2. Nach dem Weinrebenschnitt erfolgt im zeitigen Frühjahr das Ausbrechen. Überflüssige Äste, respektiv Triebe, werden hier abgebrochen, um die Erziehungsform aufrecht zu halten. In manchen Fällen kann das Ausbrechen im späten Sommer wiederholt werden.
  3. Sind die Reben sehr starkwüchsig, solltest du sie im Mai / Juni ebenfalls entspitzen. Dies ist aber nicht bei jeder Pflanze nötig und sollte im Zweifelsfall weggelassen werden.
  4. Im Sommer fällt dann der Sommerschnitt an. Im Idealfall bedeutet dies, dass du die reifen Trauben abschneidest. Hast du eine sehr starkwüchsige Pflanze solltest du nun auch die Triebe etwas zurückschneiden.

Die einzelnen Schnitte im Detail

Die erklärten Schnitte gelten nicht für junge Pflanzen. Die ersten drei Jahre muss eine Weinrebe in eine Erziehungsform gebracht werden. Das bedeutet, dass du dir eine Schnittform auswählen sollst, nach welcher du die Rebe schneidest. So baust du ein Stammgerüst auf, an welchen Abgänge in der gewünschten Form wachsen. In den nächsten Jahren solltest du die Pflanze immer in der gleichen Form schneiden.

Drei verschiedene Schnitte : kurz, mittel, lang

Kurzer Schnitt

  • Auch Zapfenschnitt genannt.
  • Die Triebe werden bis auf 2 Augen (Knospen) abgeschnitten. Diese befinden sich am Stammgerüst.
  • Es handelt sich um die einfachste Schnittform.
  • Der kurze Schnitt ist nicht für starkwüchsige, junge Reben geeignet. Auch bei einigen alten Sorten sollte sie vermieden werden.

Mittellanger Schnitt

  • Auch Streckerschnitt genannt.
  • Die Triebe werden bis auf 3 – 7 Augen zurückgeschnitten.
  • Wird vor allem bei Wein mit fàcherförmiger Erziehung angewandt.
  • Die Schnittform sorgt für einen hohen Traubenertrag.
  • Der mittellange Schnitt ist, im Gegenteil zum kurzen Schnitt, geeignet für junge Pflanzen. Auch bei alten Pflanzen, deren Knospen nahe am Stamm wenig fruchtbar sind, kann dieser Schnitt angewendet werden.

Langer Schnitt

  • Auch Rutenschnitt, Guyot-Schnitt oder Bogenschnitt genannt.
  • Die Triebe werden auf 8 – 12 Augen geschnitten.
  • Mit dem langen Schnitt können sehr wuchsstarke Pflanzen gebändigt werden und Lücken im Stamm überbrückt werden.
  • Der Schnitt wird viel in Weinbergen angewandt, kann aber auch beim Hauswein genutzt werden.
  • Er sorgt für einen sehr hohen Ertrag.

Der Winterschnitt

Der Winterschnitt ist wohl der wichtigste Schnitt der Rebe, sie bestimmt wie viel Ertrag die Pflanze im darauffolgenden Sommer haben wird. Er kann den ganzen Winter über durchgeführt werden. In Regionen mit sehr kaltem Klima sollte nur dann geschnitten werden, wenn die Temperaturen über -5°C sind. In diesem Fall solltest du am besten erst Ende Februar oder im März schneiden. Die Frostschäden lassen sich so besser ausbessern. Hast du im November / Dezember bereits sehr grobe Schnitte (das Wegschneiden alter Triebe) durchgeführt, so haben die Stellen sich Ende des Winters verkorkt und die Stellen bluten nicht so stark. Die Arbeit im März wird zudem einfacher und schneller, wurde schon vorher einmal grob eingekürzt.

Die Etappen des Winterschnitts

Das Vorjahresholz, das durch die Herbstfärbung gelbbraun, rotbraun oder ocker geworden ist wird weggeschnitten. Sie haben Knospen, die sich in einem Abstand von 5 – 15 cm befinden und wenn aufgeplatzt werden, innen grün sind. Die ersten 4 – 6 Augen solltest du stehen lassen und den Trieb erst hinter diesen abschneiden. Aus den übriggelassenen Knospen werden die nächsten Früchte wachsen. Es sollten mehr als 20 pro Quadratmeter sein. Nun hast du die Weinreben grob geschnitten. Als nächstes folgt ein zweiter Grobschnitt.

Wie aber wählst du, welche Knospen stehen bleiben und welche du abschneidest ? Die guten Vorjahrestriebe sind dicker und befinden sich gleich am Stamm. Sind sie dünner als ein Bleistift, kommen sie ab. Um es einfacher zu machen, kannst du die guten Knospen mit einem farbigen Band markieren. Dann weißt du welche bleiben und welche eingekürzt werden. Nachdem du die nicht markierten Triebe abgeschnitten hast, sollten nur noch 5 – 7 eingekürzte Triebe des Vorjahres pro Quadratmeter bleiben. Nicht erschrecken. Einer der häufigsten Fehler, die beim Winterschnitt gemacht werden, ist dass nicht genug gekürzt wird. Es ist also normal, wenn nicht mehr viel Geäst bleibt.

Nun kommt die letzte Etappe, der Feinschnitt. Die markierten, übriggebliebenen Triebe sollst du so schneiden, dass im unteren Bereich nur 2 – 3 Augen bleiben, auch Zapfen genannt. Im oberen Bereich des Triebs hast du 4 – 6 Augen, auch Stecker genannt. Zusammengefasst hast du nach dem Rebschnitt 5 – 7 Triebe mit insgesamt 15 – 20 Knospen pro Quadratmeter.

Das Ausbrechen

Im Frühjahr fällt das Ausbrechen an, eine Kürzung der Weintrauben die Hobbygärtner oft unterschätzen. Dabei ist sie wichtiger als der Sommerschnitt und sollte nicht unterlassen werden. Das Ausbrechen hilft, die Erziehung der Weintrauben richtig umzusetzen, daher solltest du bereits wissen, ob du deine Pflanze kurz, mittel oder lang schneiden wirst.

Wann solltest du mit dem Ausbrechen beginnen ? Die Neutriebe, die aus dem Vorjahresholz gewachsen sind, sollten zwischen 10 – 30 cm lang sein. Zu diesem Zeitpunkt ist die Weinrebe noch überschaubar. Der Prozess wird Ausbrechen genannt, da die Äste ausgerissen, respektiv durch seitlichen Druck abgebrochen werden. Solltest du den Vorgang noch einmal später im Sommer wiederholen, musst du die Triebe abschneiden. Sie werden zu hart sein, um abgebrochen zu werden.

Welche Triebe werden nun abgebrochen ? Kurz gesagt, alle die nicht gedeihen werden. Das sind Wasserschosse, die aus altem Stammholz wachsen, dem Stockaufbau aber nicht helfen. Auch unfruchtbare Triebe, Doppel- oder Mehrfachtriebe müssen ab. Achte jedoch darauf, dass du mindestens einen stammnahen Trieb für das nächste Jahr erhälst. Dies sollte der stärkste Trieb sein, am besten einer mit Fruchtansätzen.

Das Entspitzen

Im Frühjahr solltest du den Weinstock auch entspitzen, wenn nötig. Somit vermeidest du ein Verrieseln, also das Herabfallen der Fruchtansätze. Achte, dass du diesen Prozess nur wenn nötig durchführst und im Zweifelsfall weglässt. Durch ihn werden später einer oder sogar mehrere Sommerschnitte nötig sein.

Wann sollte entspitzt werden ? Sind die Weinreben zu starkwüchsig, können die zusätzliche TrIebe der Weintraube Schaden zufügen. Sie schaden den Früchten, da die Blüten sich nicht richtig entfalten können und abfallen. Durch das Entspitzen können die Blüten befruchtet werden und haben mehr Ertrag.

Der Sommerschnitt

Die Ernte der reifen Trauben wird Sommerschnitt genannt, aber auch das Einkürzen der Triebe, das nicht immer nötig ist. Welche Weinreben sollten im Sommer geschnitten werden ? Vor allem stark wüchsige Sorten und speziell gepflegte Weinstöcke werden eingekürzt. Bei Reben mit starkem Wuchs werden die Triebe geschnitten, die mehrere Meter lang werden. Nur in den ersten drei Jahren sollte dies unterlassen werden. Der zusätzliche Wachstum hilft der Pflanze ihren Stock zu kräftigen. Hat die Weinrebe jedoch schon ihre gewünschte Erziehungsform erhalten, können die langen Triebe lästig werden.

Die Vorteile eines Rebschnitts im Sommer sind, dass der Weinstock gepflegter und weniger büschig aussieht, und dass beim Winterschnitt weniger Arbeit anfällt. Der große Nachteil liegt darin, dass Geiztriebe aus den Achseln der Triebe wachsen, und zwar genauso heftig wie vorher die nun eingekürzten Triebe. Diese müssen nun wieder regelmäßig gekürzt werden.

Auch zum Sommerschnitt gehört das Entlauben der Weintrauben. In diesem Prozess werden einzelne Blätter entfernt, die die süße Frucht bedecken. Dies sollte in mehreren Etappen erfolgen, um der Gefahr eines Sonnenbrands vorzubeugen. Hiermit wird dem Grauschimmel vorgebeugt. Die Trauben werden durch das Entlauben jedoch nicht süßer. Ist der Hobbygärtner nicht sicher, ob er entlauben soll oder nicht, so sollte er es lieber lassen.

Die Auslichtung

Hast du deinen Weinstock seit einem oder mehreren Jahren nicht geschnitten, kann er verwahrlosen. In manchen Fällen muss die Pflanze gerodet werden, besteht aber noch Hoffnung kann durch eine sogenannte Auslichtung geholfen werden.

Soll die Traube gerodet oder kann sie erhalten werden ?

Diese Frage solltest du beantworten, bevor du zur (falschen) Aktion greifst. Eine Pflanze mit starkem Mehltaubefall (Samenbruch) sollte gerodet werden. Dies erkennst du daran, dass die Beeren vertrocknet sind, respektiv spaltenförmig geplatzt sind. Die Kerne der Trauben scheinen durch das vertrocknete Fleisch. Ein weiterer Hinweis sind flecken- oder netzförmige Verfärbungen, manchmal auch Verfärbungen in lila des Vorjahresholz. Handelt es sich jedoch um eine robuste Pflanze, die den Pilz gut toleriert, so kann sie noch gerettet werden.

Aber auch eine verwahrloste Pflanze mit wenig Samenbruch muss ausgelichtet werden. Andeutungen sind eine verwachsene Pflanze mit sehr viel Geäst mit jedoch schwachen Trieben. Die Blätter sind meistens krank und ihre Farbe ist nur noch spärlich. Durch eine Auslichtung kann die Weinrebe wieder gerettet werden.

Wie funktioniert das Auslichten einer Rebe?

  • Das Gerüst der Rebe wird gelichtet, das bedeutet du musst die dicken Stammarme einkürzen oder gar ganz abschneiden.
  • Die meisten Seitentriebe solltest du entfernen, vor allem die dünnen.
  • Wenn deine Rebe noch eine gut verholzte Äste des Vorjahres hat, sollst du diese erhalten. Sie sollten sich entlang des Stamms in einem Abstand von zwischen 15 – 60 cm befinden.
  • Aus den geretteten Trieben formen sich später die neuen Abgänge.
  • Binde die Neutriebe zusammen.

Ist die Rebe so verwahrlost, dass sie keine starken Triebe hat, musst du alle Triebe abschneiden. Übrig bleibt das Stammgerèst, das du wieder neu aufbauen musst. Du schneidest sie im Winter also wie eine neue Weinrebe und musst wieder eine Erziehungsform festlegen.

[Gesamt:2    Durchschnitt: 4.5/5]

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*